In der Coronakrise gleicht der Staat alles aus


Das Kreditgewerbe in Deutschland – wie andere Branchen auch – ist seit Jahren mit Herausforderungen konfrontiert, die ohne tiefgreifende Umstrukturierungen nicht zu bewältigen sein werden. Digitalisierung, Niedrigzinsphase und Regulierung fordern einen Paradigmenwechsel in den Geschäftsmodellen der Banken. Dies ist bekannt und in einer Vielzahl von Beiträgen behandelt worden.

Kommt nun mit der Coronakrise eine zusätzliche Herausforderung in einer bislang unbekannten Dimension auf die Banken zu? Zur Beantwortung ein kurzer Blick auf das gegenwärtige Umfeld und seinen Ursprung in Thesenform. Diese Thesen zeigen den spezifischen Charakter der aktuellen Krise: Die Krise ist Ergebnis eines, überspitzt gesagt, bewusst als Konsequenz zur Eindämmung der Pandemie herbeigeführten staatlich verordneten Stillstands der Wirtschaft auf nationaler wie auf internationaler Ebene. Es handelt sich anders als in früheren Fällen nicht um eine systemimmanente Krise der Wirtschaft wie beim Platzen der Internetblase 2003 oder der Finanzkrise 2007/08.

Gleichzeitig werden zur Eindämmung von unmittelbar krisenbedingten Folgen in allen Ländern von staatlichen Stellen veranlasste Hilfsprogramme für die gesamte Wirtschaft aufgelegt, die die resultierenden Einkommensausfälle der Arbeitnehmer kompensieren und den Bestand von Unternehmen bis in die Zeit nach der Krise hinein sichern sollen. Die Zeit der Pandemie soll, vereinfacht gesagt, durchfinanziert werden...

Quelle: Börsen-Zeitung, 16.06.2020
Autoren: Dr. Laurenz Kohlleppel / Dr. Johann Rudolf Flesch


Datei Bo__rsen-Zeitung_-_01.07.2020_1038.pdf öffnen



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